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Duzen im Kundenkontakt ablehnen

26.04.2017


Die Worte auf die Goldwaage legen

Im B2B ist es ein ungeschriebenes Gesetz das man seine Kunden mit "Sie" anredet. Doch nach vielen Jahren der Zusammenarbeit kann es dazu kommen, dass Ihr Kunde Ihnen das Duzen anbietet. An sich eine sehr tolle Geste, aber was ist, wenn Sie sich mit diesem Angebot unwohl fühlen und das Duzen ablehnen wollen? Wie machen Sie Ihrem Kunden klar, dass Sie lieber beim Siezen bleiben möchten ohne dass die geschäftliche Beziehung dadurch beeinträchtigt wird?

Nach Business Knigge gibt es einige Regeln, wer das Duzen anbieten darf:

  • Der Höhergestellte hat das Recht das Duzen anzubieten
  • Bei gleichrangigen Mitarbeitern des selben Geschlechts bietet der Ältere dem Jüngerem das Duzen an
  • Unabhängig von Alter und Geschlecht der gleichrangigen Mitarbeiter bietet die Frau dem Mann das „Du“ an
  • Ganz wichtig: Der Kunde bietet seinem Auftraggeber das Duzen an – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Rang

Das Siezen ist eine Anrede, die Respekt zeigt. Respekt vor der Person, deren Handeln und dem gesprochenem Wort. Wir zeigen damit, dass wir Rücksicht auf unseren Kunden nehmen und seine Wünsche achten. Zudem bietet das Siezen einen Schutz. Es trennt Sie von Ihrem Kunden wie eine unsichtbare Linie, um sicherzustellen, dass diese Beziehung auf rein beruflicher Ebene abläuft und auch die Kommunikation souverän von Statten geht. Wie heißt es so schön: Man kann leichter „Du Esel“ statt „Sie Esel“ sagen. Das Siezen hält uns im Zaun und hindert uns daran unbewusst den Respekt zu verlieren und etwas Unüberlegtes zu sagen.

Das Duzen wiederrum ist ein sehr hoher Vertrauensbeweis. Diese Anrede hebt man für Personen auf, die einem ganz besonders wichtig sind, wie die Familie und enge Freunde. Das Duzen erlaubt uns sehr ehrlich und offen miteinander umzugehen aber verleitet uns auch dazu negative Kritik bzw. Äußerungen zu tätigen.

Ein einmal angenommenes „Du“ kann man nicht mal eben wieder zurücknehmen.

Duzen ablehnen - darf ich das?

Dürfen Sie als Auftragnehmer ein „Du“ ablehnen oder ist es ein offensichtliches Fauxpas?

Ja, das dürfen Sie.

Nur gilt es dabei gewisse Regeln zu beachten, damit die Geschäftsbeziehung nicht geschädigt wird.

Duzen ablehnen – was ist Ihre Barriere?

Zum einen müssen Sie sich klar machen, dass das Angebot des Duzens ein großes Kompliment an Sie ist. Ihr Kunde hält sehr viel von Ihnen. Wenn Ihnen Partus kein konkreter Grund einfallen sollte das angebotene Duzen abzulehnen, sollten Sie über Ihren Schatten springen und das „Du“ annehmen.

Wenn es Ihnen dagegen sehr schwer fällt das Duzen anzunehmen, reflektieren Sie ein mal für sich, was Ihre Barriere ist.  Was ist der konkrete, nachvollziehbare Grund, dass Sie das Duzen ablehnen möchten? Seien Sie ehrlich zu sich selbst und zu Ihrem Kunden. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Oft ist schon der erste Grund der Ihnen einfällt, der Gewichtigste.

Folgende Beispiele können mögliche Gründe sein, warum Sie das Duzen ablehnen:

  • Kulturelle Erziehung: Es gilt in Ihren kulturellen Kreisen als unhöflich den Kunden zu duzen
  • Vielleicht haben Sie Angst davor, durch das Duzen den beruflichen Abstand zu verlieren
  • Sie haben Respekt vor dem Alter, der Position und der Erfahrung
  • Sie haben das Gefühl, dass Sie sich für das Duzen noch nicht gut genug kennen
  • Das Duzen ist ein großer Schritt und Sie möchten nicht unüberlegt handeln

Wenn Sie festgestellt haben, dass das Duzen für Sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage kommt, müssen Sie den nächsten Schritt gehen und diese Entscheidung Ihrem Kunden möglichst elegant und diplomatisch mitteilen.

Duzen ablehnen – Nennen Sie konkrete Gründe

  • Bedanken Sie sich für das Angebot und bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich sehr geehrt fühlen
  • Nennen Sie Ihrem Kunden nachvollziehbare Gründe, warum Sie das Angebot zum jetzigen Zeitpunkt nicht annehmen können.
  • Formulieren Sie beim Erläutern der Gründe nur „Ich – Botschaften“! Geben Sie auf keinen Fall den Kunden selbst als Grund an.

So könnte Ihre Antwort lauten:

„Vielen Dank für das freundliche Angebot Herr / Frau Mustermann. Ich fühle mich geehrt.

  • Da ich das Duzen meiner Familie und meinem engen Freundeskreis vorbehalten und bei der Arbeit generell beim „Sie“ bleiben möchte, würde ich mich freuen, wenn wir uns weiterhin siezen würden.
  • Da ich das Berufliche und Private gerne trennen möchte, würde ich mich freuen, wenn wir beim Siezen bleiben.
  • Mir ist Ihr Angebot sehr wichtig und bedeutet mir viel, deshalb brauche ich ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken.
  • Ich bin leider sehr altmodisch (konservativ, unflexibel) und würde vorerst gerne beim Siezen belieben.

... ich hoffe auf Ihr Verständnis und dass unsere bisher so gute Geschäftsbeziehung dadurch nicht beeinflusst wird."

Duzen ablehnen – bieten Sie Kompromisse an

Wer das Duzen nicht knallhart ablehnen möchte, kann dem Kunden zusätzlich Kompromisse anbieten.

  • Sie können ihm das "Sie plus Vorname" anbieten, um sich so langsam an das Duzen heranzutasten.
  • Bitten Sie Ihren Kunden um Eingewöhnungszeit und um Nachsicht falls Ihnen doch das „Sie“ rausrutscht.

Falls Sie Bedenken haben, dass das Ablehnen des Duzens nicht gut bei Ihrem Kunden ankommt, seien Sie sich auch dessen bewusst, dass Ihnen Ihre Ehrlichkeit und Ihr Mut hoch angerechnet werden.

Wenn Sie das Duzen Ihres Kunden annehmen, vergessen Sie nicht sich weiterhin an den Ehrenkodex des Siezen zu halten.

  1. Halten Sie weiterhin Termine ein.
  2. Reden Sie nur über private Angelegenheiten des Kunden, wenn er diese zuerst anspricht.
  3. Behalten Sie Ihre Qualität bei.
  4. Halten Sie sich an die Regeln, um Beschwerden des Kunden zu vermeiden.
  5. Verhindern Sie, dass Ihr Kunde das Angebot des Duzens bereut.
    Denn wer das Siezen nicht ehrt, ist das Duzen nicht wert!
     

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